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Samstag, 22. März 2014

Geistiger Gedanke März 2014

Liebe Geschwister

Zuweilen lese ich die Leserbriefe in den Tageszeitungen. Da wird dies und jenes beklagt; Autofahrer, die sich über Velofahrer aufregen und umgekehrt; Fussgänger über Autofahrer und umgekehrt. Vielen Leserbriefen ist eines gemeinsam; Schuld ist immer der andere und der Autofahrer schreibt so als wäre er nie selbst Fussgänger, obwohl er sicher auch diese Perspektive sehr wohl kennt.
Schon in der Bibel steht im Matthäus 7: 3-5
3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? 4 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? 5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Es wäre doch so einfach. Bin ich Autofahrer, dann behandle ich den Fussgänger wie ein König, achte stets auf Bremsbereitschaft; fahre defensiv und stets sehr vorsichtig, denn war nicht auch ich schon als Fussgänger leichtsinnig und unvorsichtig? Und bin ich als Fussgänger unterwegs dann sehe ich mich vor, dass ich am Zebrastreifen sicher stelle, dass mich der Autofahrer gesehen hat, bevor ich auf die Strasse laufe, denn habe ich nicht auch schon als Autofahrer unvorsichtigerweise einen Fussgänger übersehen, den ich eigentlich hätte sehen sollen?

Rücksichtnahme wäre eine sehr wohl tuende Eigenschaft für unser Zusammenleben. Zwar bin ich heute vielleicht der junge unter Zeitdruck stehende Autofahrer, aber erst gestern war ich selbst das leichtsinnige Kind auf meinem Fahrrad oder am Zebrastreifen und morgen bin vielleicht ich der unsichere Mann am Stock, der über die Strasse will.

Roland Diezi

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