Nur meine Nachbarskatze
Nach einem Arbeitstag gehe ich oft in den Garten und geniesse es,
kleine Arbeiten zu erledigen.
Leider
lieben die vielen Katzen meiner Nachbarn
meinen Garten ebenso und hinterlassen immer wieder ihre übelriechenden
Exkremente. So gehört es zu meinen
regelmässigen Arbeiten, den Kot ein zu sammeln.
Natürlich wäre es mir lieber, ich müsste
dies nicht tun und so verjage ich die Katzen, wenn sie mir über den Weg laufen.
An einem schönen Sommertag sitze ich
gemütlich im Garten als eine der zwei Katzen mit rötlichem Fell heranschleicht. Ich bin erstaunt, denn
eigentlich meiden mich die Katzen. Ich nehme mein Wasserglas und überschütte
sie mit Wasser. Die Katze reagiert völlig ungewohnt; anstatt so rasch wie
möglich das Weite zu suchen, streicht sie mir ums Bein und schaut mich traurig
an als würde sie mir sagen „musste dies jetzt auch noch sein“?
In der nächsten Woche bin ich zu Besuch bei
meiner Nachbarin und zufälligerweise kommen wir auf das Thema Katzen zu sprechen und ich schildere ihr
meine Erfahrung mit der rötlichen Katze.
Sie erklärt mir, dass die Nachbarn zwei
neue Katzen haben und diese rötliche alte Katze aus ihrem Revier verjagt haben und sie sich deshalb ständig auf unserem
Grundstück aufhält; dort habe sie ihre Ruhe.
Denken sie, dass ich die alte Katze immer
noch verjage?
Wie oft würden wir gegenüber unseren
Mitmenschen anders handeln, wenn wir ihre Geschichte, ihre Beweggründe, ihre
Ängste und Sorgen kennen würden. Was aus unserer Sichtweise vielleicht
offensichtlich scheint, kann aus der Perspektive des Gegenübers ganz anders aussehen.
In Lukas 10: 25-37 lesen wir die Geschichte
des barmherzigen Samariters; sie lehrt uns, über unsere begrenzte Perspektive
hinaus so zu handeln wie es uns Jesus Christus vorgelebt hat.
Zum Glück wird es wieder bald Frühling und
ich kann wieder im Garten arbeiten. Ob die arme alte rötliche Katze den Winter
wohl gut überstanden hat?
Roland Diezi