Ich möchte
ihnen gerne von einem Erlebnis erzählen, was mir passiert ist, und wo ich viel
lernen konnte dabei. Es war an einem Nachmittag, gelangweilt saß ich in der Kaffeestube
bei uns in der Firma, es war gerade Pause, und ich schielte zur Uhr, so nach
dem Motto, ich hätte nichts dagegen, wenn endlich Feierabend sei. Da kam mir die
Zeitung in die Hand, und ich blätterte sie gelangweilt durch, es wurde
offensichtlich über jeden umgefallenen Blumenkübel berichtet. Da war ein
kleiner Artikel, von einem Ehepaar aus Degersheim. Das Gesicht kam mir sehr
bekannt vor, man hatte sich auch schon einige Male gesehen beim Einkaufen. Da
war zu lesen, das dieser Ehemann, schon 60 Jahre zusammen sei mit seiner Frau.
Seine Frau, hatte erst vor kurzem einen Schlaganfall erlitten, und brauchte nun
dauernd Pflege. Das Problem war aber auch, dass er selbst, schon 85 Jahre alt
war. Er übernahm alle Kosten von sich aus, und bezahlte alles aus eigener Tasche,
was nicht gerade wenig war. Er schämte sich, Hilfe wie eine Spitex zu holen,
das sei aus seiner Sicht nicht legitim, sagte er in diesem Artikel, er habe im Leben, nie eine solche Hilfe beanspruchen müssen!
Mich berührte das im inneren zutiefst, er meinte, dass er niemanden so liebe, wie seine Frau, und dass er alles tun würde für sie!
Eine Liebe die durch alles geht, und die unerschütterlich ist, aber auch sehr schwer, denn seine Frau konnte nicht mehr sprechen seit dem Schlaganfall. Ich war erschüttert, ich saß da, und der langweilige Tag, schien wie von selber zu vergehen. Mir ging das nicht mehr aus dem Kopf, als ich zu Hause war, da versuchte ich Online, die Adresse herauszufinden. Ich fand sie heraus, weil ich wollte diese beiden unbedingt kennenlernen. Und so kam es dann auch, ich spürte als ich nach Degersheim fuhr, ich solle ihnen einen Geldbetrag in den Briefkasten legen, weil beide, nicht viel Geld hatten, und die Pflege selbst viel Geld verschlang.
Meine Mutter beteiligte sich auch spontan daran, ich fuhr mit pochendem Herzen, nach Degersheim, und klingelte, es machte niemand auf. Sehr enttäuscht, legte ich das Couvert mit dem Geld in den Briefkasten, ich schrieb noch meine Telefonnummer auf, so, wenn sie wollten, können sie mich dann kontaktieren. Eine Weile später, da klingelte das Telefon, es war an einem Sonntag, da war er am Telefon, er hieß Albert. Er meinte, ganz überglücklich, dass er sich sehr gefreut habe, und ich gerne einmal vorbeikommen solle. Ich kam vorbei, und wir verlebten einen sehr schönen Nachmittag, ich hatte ein sehr intensives Gespräch mit Albert, seine Frau selbst, konnte nicht mehr sprechen auch.
Das alles war für ihn sehr hart, und er war auch vollkommen erschöpft. Er erzählte mir, dass er Musiker gewesen sei, und sein Leben lang immer nur unterwegs gewesen sei, und nie zu Hause gewesen sei. Und eines Tages als er nach Hause kam lag seine Frau über der Waschmaschine, und sie erlitt einen Schlaganfall. Seit diesem Tag, war alles anders, er musste sie stützen, wenn sie gehen wollte, sie brauchte überall Hilfe. Aber er tat dies mit einer solchen Großen Liebe, was mir sehr ans Herz ging. Später am Nachmittag, da unternahmen wir eine Ausfahrt, er meinte noch, er würde immer nur sehr langsam fahren, er und sie lieben die Natur sehr, ich genoss es auch. Ich vergaß diesen Augenblick nie, ich wusste aber auch, dass dies meine Fähigkeiten, überforderte, und ich keine Ahnung hatte bei der Art dieser Pflege, man blieb im Kontakt. Solche Dinge brauchten professionelle Pflege und Hilfe, die er später auch angeboten bekam, und man ihm dann die Hilfe anbot, und er sie dankbar annahm. Ich selber hatte damals so viel um die Ohren, dass man sich ein bisschen aus den Augen verlor. Aber dieses Jahr im Mai traf man sich wieder an der Tankstelle wieder. Er fuhr alleine mit seinem Cabrio an die Tankstelle, und er erzählte mir, dass er dringend auch mal etwas alleine machen müsse, und es ihm sehr gut gehen würde. Ich war froh, dies zu hören, ich sah aber auch, dass er vollkommen erschöpft war, von der Pflege und dass er todmüde war. Ich sprach ein Gebet und bat den Vater im Himmel um Hilfe in dieser Sache.
Der Sommer ging schnell vorüber, und dann spontan bei der Gemeinde, las ich die Todesanzeige, von den beiden. Sie starb in diesem Sommer im August, und er erst kürzlich Anfang November.
Ich war irgendwie erleichtert, die Liebe von Margrith und Albert war so unerschütterlich stark, so etwas habe ich selten gesehen, ich glaube nun, das die selige Margrith und Albert nun sehr glücklich sind, und sie beide heimgekehrt sind.
Ich lernte aus dieser Sache, das dienen glücklich macht, und dass Liebe alles ist in unserem Leben, manchmal, wenn man sich umblickt, das kann ihre Frau oder Mann sein, ihre Kinder, die Eltern. Sagen sie ihnen, jederzeit, dass sie sie lieben, denn die Liebe übertrifft alles, und sie hält alles zusammen.
Auch im Gebet, wenn sie die Liebe vom Vater im Himmel spüren, so sagen ihm das sie ihn lieben, so wie auch sein Sohn und den heiligen Geist, die alle voll von Liebe sind für uns!
Ich habe eine wichtige Sache gelernt, ich habe einiges erlebt in meinem Leben, was oft nicht immer angenehm oder schön war, aber so wie diese Textzeile, die ist aus einem Lieblingslied von mir, „Mit einem bisschen Liebe, kannst du überleben.“
Ein sehr schöner Gedanke, der mir immer und überall geholfen, dank dieser Begegnung durfte ich von Margrith und Albert lernen, wie unheimlich wichtig die Liebe ist, und dass sie unvergänglich ist.
Es ist
rührend, wie er sich um sie gekümmert hatte, nun ist seine Mühe vorbei, und er
kehrte nun heim, zu seiner Margrith, und zum Vater im Himmel, ich hoffe ganz
tief in meinem Herzen, dass sie nun mehr als glücklich sind. Manchmal führt uns
der Herr an Sachen und Dinge, wo wir unbewusst, viel lernen können, ich liebe
ihn und sein Sohn, wirklich sehr, und bin sehr dankbar, für den wertvollen und
behutsamen Begleiter, den heiligen Geist! Aber ich bin auch dankbar, für meine
ganze Familie und Freunde, die mit mir gemeinsam, meinen Lebensweg gehen. Vielleicht
durfte ich sie etwas anregen, dass sie sich kurz Zeit nehmen, und über diese
Liebe nachdenken, sie werden staunen, was gerade in ihrem Umfeld da ist, was
man liebt, und es vielleicht nicht oft genug sagt. Denken sie immer an
Margrith, die ihren Mann sehr liebte, aber durch ihren Schlaganfall nicht mehr
sprechen konnte, aber die Augen sagten mehr als Worte! Und auch Albert, sagte
ihr ständig, dass er sie sehr liebe, wie er mir erzählte!
Das schöne ist, wir nehmen diese Liebe mit, und erleben dort, eine vollkommene Liebe, es lohnt sich, wenn man darüber nachdenkt, und sich umschaut, und dieses Wort zu jemandem sagt!
In diesem Sinne
ihr
Rolf Schweizer


